
In letzter Zeit mache ich mir erstaunlich viele Gedanken über das Alleinsein. Ich habe in den vergangenen Monaten auf Facebook ein paar Texte über Singles, Beziehungen, Nähe, Freundschaft und dieses manchmal merkwürdige Leben dazwischen geschrieben. Eigentlich einfach Gedanken, die mir durch den Kopf gingen. Umso mehr hat mich überrascht, wie viele Menschen darauf reagiert und kommentiert haben. Offenbar beschäftigt das ziemlich viele.
Und irgendwann blieb bei mir ein Satz hängen: „I don’t need u, but I want u!“ Der beschreibt ziemlich gut, wo ich gerade stehe.

Denn eigentlich ist mein Leben ziemlich voll. Ich habe viel erlebt, viel gesehen und vieles erreicht. Ich habe zwei erwachsene Kinder, eine Enkelin, einen Beruf, den ich verdammt gerne mache, meine Wohnung, meinen Bulli, tausend Ideen und meistens irgendein beklopptes Projekt, mit dem ich mich beschäftigen kann. Mir ist selten langweilig.
Und trotzdem merke ich immer deutlicher: Es fehlen Menschen. Nicht irgendwelche Kontakte. Davon gibt es genug. Familie, Kollegen, Bekannte, Menschen auf Facebook, WhatsApp und sonst wo. Ich meine die Menschen, bei denen man nicht überlegen muss, ob man sich melden darf. Bei denen aus „Hast du Zeit?“ auch mal spontan ein Bier, ein Kaffee, ein Abend oder irgendeine völlig ungeplante Aktion wird. Davon sind in meinem Leben erschreckend wenige übrig geblieben.
Und ja, natürlich fehlt mir auch eine Partnerin. Jemand, mit dem man Alltag genauso teilen kann wie besondere Momente. Aber das ist eben nur ein Teil davon. Eine Partnerschaft kann und soll schließlich nicht Freundschaften, Familie und ein eigenes Leben ersetzen.
Vielleicht merke ich deshalb gerade so deutlich, wie kräftezehrend Alleinsein manchmal sein kann. Nicht dieses dramatische Alleinsein, bei dem man abends weinend auf dem Sofa sitzt. So ist es nicht. Es ist viel unspektakulärer.
Immer selbst überlegen, was man macht. Sich selbst aufraffen. Alleine losfahren. Entscheidungen alleine treffen. Nach einem richtig guten oder richtig beschissenen Tag nach Hause kommen und niemanden haben, dem man das unbedingt noch erzählen möchte. Und dann dieser ganze stinknormale Alltag: alleine kochen? Doof. Alleine essen? Doof. Alleine einkaufen? Doof. Alleine Fernsehen? Doof. Alleine irgendwohin fahren? Meistens auch doof. Alleine ins Bett gehen und alleine wieder aufwachen? Auf Dauer ziemlich doof.
Natürlich kann ich das alles. Ich mache es ja. Aber vielleicht liegt genau da der Denkfehler: Nur weil man etwas alleine kann, heißt das noch lange nicht, dass man es auf Dauer alleine machen möchte. Und irgendwann stellt man fest, dass man sich an verdammt vieles davon gewöhnt hat. Das funktioniert. Aber funktionieren und zufrieden sein sind eben nicht immer dasselbe.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich dieser Satz so angesprochen hat: „I don’t need u, but I want u!“ Ich brauche keinen Menschen, damit mein Leben überhaupt funktioniert. Ich suche niemanden, der mich rettet, beschäftigt oder vollständig macht.
Der Kuchen ist längst gebacken. Aber ein Leben darf doch mehr sein als nur ein ziemlich guter Kuchen. Ein paar Menschen am Tisch wären schön.
Und gegen Sahne und eine Kirsche hätte ich auch nichts. 😉
Was denkst du dazu?
Kommentare erscheinen erst nach meiner Freigabe. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.